Von: monika [mailto:faentchen@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 02. Juni 2001 16:13
An: barbara aigner
Betreff: Newsletter # 6


hallo familie, hallo alle freunde und goenner!!!!!

Stephanie und ich sind heute morgen um 5.30 hier in salvador angekommen, nach einer katastrophalen Tour mit dem Bus durch die Nacht, 9 stunden lang von Maceió nach Salvador. Im Bus war es ganz einfach sehr sehr kalt und der busfahrer hat es nicht geschafft, die Klimaanlage auszuschalten. dann hat es angefangen zu regnen, und es hat irgendwo reingetropft, kurzum ich habe keine Minute geschlafen und nach dem wir hier gefruehstueckt haben, Waesche gewaschen und aufgehaengt, hat es just angefangen zu regnen... richtig schoener platzregen.
aber gottseidank ist das internetcafe nur 15 meter von unserer Jugendherberge entfernt und so sitz ich 1 Meter vom Fenster weg bei offenem Fenster und kann in Ruhe das Ende des Regens erwarten.

In salvador ist im moment ganz viel auf der strasse los, weil viele studenten und so weiter den Buergermeister oder Senator von Bahia stuerzen wollen, weil er in die eigene Tasche wirtschaftet und nichts fuer das Volk tut. Er hat zum Beispiel den Flughafen von "2. September" - Tag der Unabhaengigkeit in den Namen seines verstorbenen Sohnes umbenannt, der nie etwas vollbracht hat, ausser dass er jung gestorben ist. So gibt es Demos und so weiter...

Die letzte Woche war recht genial, wir sind am Sonntag los, zuerst auf eine Fazenda (farm) suedlich von Natal, dort konnten wir ausreiten und so richtig relaxen, eine Freundin hat das arrangiert, wir haben sogar frisch gemolkene Milch bekommen, also wie in Bayern, bloss dass man hier noch 2 Loeffel Zucker hinzugibt... immer immer zucker, Banana mit Zucker, saft mit zucker, joghurt mitzucker... Zucker mit etwas cafe. dann sind wir von dort nach Recife, das waren etwa 4 stunden im Bus, wo unsere nachbarinnen uns ihre ganzen liebesgeschichten erzaehlt haben. die erste frage war: "faehrst du auch nach recife ?" aber dann... blabla ich habe grade meinen Freund in Natal verlassen, den hab ich uebers Internet kennengelernt, er war einfach zu anhaenglich, ausserdem hab ich einen freund in Recife... sowas wuerde einem in deutschland nie pasieren. heute beim fruehstueck hat uns die herbergsmutter auch die geschichte von letzter nacht erzaehlt, aber bevor sie ueberhaupt gefragt hat, wie wir heissen oder wie lange wir bleiben. ist schon komisch, die leute erzaehlen unheimlich gerne ihre abenteuer.

in Maceió haben wir den fehler unserer bisherigen reise gemacht, wir haben eine tour mit einem fuehrer gemacht. wir hatten keine lust selbst was zu planen und haben uns gedacht, dass ein fuehrer eben doch die schoensten flecke kennt. er hat gesagt, dass wir an 3 straende fahren, dort zeit haben usw, es gibt haengematten zum ausruhen... der erste schock am morgen war, dass wir mit einer schrecklichen gruppe unterwegs waren, lauter brasilianer, laut, schon fast betrunken, wir wurden mit applaus im bus begruesst und einfach bloed.
dann sind wir los, vom bus aus hat der typ uns ein paar straende gezeigt, dann kurz aussteigen, foto machen, aber bitte mit der ganzen gruppe, weil wir uns alle schon so lieb haben, wieder einsteigen und weiter gehts. dann zu einem aussichtspunkt, selbes spiel noch einmal. dann war es mittagessenszeit und wir sind an einen strand, den man mit oeffentlichen bussen gar nicht erreichen kann, er ist nur fuer touristen. dort gab es dann nur ein restaurant und souvenirgeschaefte, nichts weiter. zu unserem pech hat es angefangen zu regnen und so mussten wir ins restaurant, einen ueberteuerten salat essen und dort verblieben wir 3 stunden, weil es ununterbrochen regnete. mit der zeit kamen andere busse voller touristen und die stimmung wurde enorm... es wurde gegroehlt, ein Musiker hat aufgespielt (wir haben uns geweigert fuer ihn zu zahlen)... bis wir endlich gefahren sind.
am abend waren wir so frustriert und veraergert, dass wir an den strand sind und alle cocktails durchprobiert haben um diesen tag zu vergessen... doch ich habe ihn noch nicht vergessen. gestern haben wir dann auf eigene faust einen wunderbaren strand erobert, sind billig mit dem oeffentlichen omnibus in ein dorf gefahren, haben mit einem kleinen boot zu einem strand uebergesetzt und einen guten Tag erlebt, war echt schoen, ein paradies.
Davor waren wir in olinda in der Jugendherberge, wirklich total familiaer und nett, superfruehstueck und sie haben geholfen mit tagesplanung und so weiter, also sind wir einen tag an den strand "porto de galinhas"- hafen der hennen und einen tag recife stadt... der antike teil ist wie europa, koloniale bunte haeuser, recife selbst ist eine art insel mit vielen schoenen bruecken, gebaeuden usw... turbulentes treiben auf den strassen, immer ist markt, immer ist handel, es wird alles verkauft die strassen sind voll von menschen, die z.b. mais grillen, ueber einem grill aus dosen zusammengeschweisst... mir gefaellt das total gut, dass soviel auf der strasse los ist, Haendler tragen 10 Matratzen auf dem Kopf herum, es wird gehupt, mit Lautsprecher die ware angepriesen... mal sehen, wie es hier in salvador wird, grade kommt die sonne raus, wir sind mitten im historischen centro, dem pelourinho, das ist besser am abend, dann muessen wir kein taxi nehmen, denn die Bars und so weiter befinden sich alle in unserer Naehe.

fast haette ich vergessen, dass wir an der Rodoviaria (Busbahnhof) in Meceió einen Jungen aus Deutschland getroffen haben. ich hab das gemerkt, weil er einfach so aussah und den akzent hatte. Also hab ich ihn gefragt, woher er kommt, und er sagte augsburg, und ich sagte naehe von muenchen, er fragte wo und ich sagte penzberg. nun, der knabe heisst stefan und kommt aus weilheim, studiert wirtschaft in Augsburg und machte drei monate praktikum bei siemens in cuiaba und reist jetzt drei wochen herum. jetzt ist er auch in salvador.

Ihr seht, ich bin nicht allein und bald kommen die meninas aus deutschland. also, tudo bem... wenn bloss das wetter mitspielt liebe virtuelle gruesse an alle

moni

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