13.02.03

Heute Nachmittag hatte ich meinen ersten Versuch, die Wellen am Praia de Oi per Surfbrett zu bezwingen. Die größte Barriere für mich ist es allerdings das reinkommen ins Meer, denn man muss die Wellen überwinden, die einem entgegenkommen und dabei hab ich sehr viel Wasser geschluckt. Kommt man dann in den Bereich, wo die Wellen sich noch nicht brechen, so ist es recht einfach. Man liegt auf dem Brett und wartet auf eine Welle.
Manchmal hatte ich Glück und die Welle hat mich mitgenommen, manchmal war ich aber auch zu spät oder die Welle hat mich verschluckt. Im Endeffekt hab ich es 2-mal geschafft liegend eine Welle zu reiten, das Aufstehen muss in einem perfekten Timing passieren, dazu fehlt es noch weit.


14.02.03
Im Fernsehen kam eine Reportage über Deutschland, da hab sogar ich noch was lernen können. Natürlich kamen die typischen Punkte wie Berlin mit der Mauer, München mit dem Bier (wobei ich gelernt habe, dass Bier nicht den Bierbauch macht, sondern nur den Appetit anregt und der Trinker einfach mehr isst) und das Schloß Neuschwanstein. Aber auch überraschendes wie Hameln mit dem Rattenfänger oder Nördlingen wo die Menschen anscheinend nur in Tracht gehen und ein Mann vom Turm " So, Gsell, so" ruft. In Dresden werden Pferde gegessen und sehr spannend fand ich auch, dass Augsburg und die Fuggerei gezeigt wurden.

16.02.03
Sonntag, das heißt wieder Strandtag. Mit Silvania und Adriana will ich nach Jacuma, einem Strand etwa 1 Stunde von Natal. Doch wir warten an der falschen Haltestelle, also klappt das nicht und wir fahren nach Redinha, dem belebtesten Strand Natals. Wir nehmen den Bus, der schon supervoll ist. Ich sitze und am Gang stehen einige Jungs dicht gedrängt. Einer fängt an Lolo zu schnüffeln, eine Äthermischung, er übertreibt es ein bisschen und kippt kurz darauf auf die Sitzenden vor mir. Einfach so, ohne das geringste Bewusstsein. Da liegt er erst mal bis er wieder ansprechbar wird und er mit Hilfe seines Kumpels wieder stehen kann. Niemand sagt etwas, nach 5 Minuten schnüffelt er wieder und ich bin froh, dass wir bald aussteigen. Dort wird der Tag sehr chaotisch, als wir eine dicht beparkte Strasse überqueren wollen, werde ich von hinten angefahren und falle zu Boden unter ein geparktes Auto. Da viele Leute auf der Strasse sind, halten sie den Fahrer auf, Polizei ist auch gleich da, hat alles gesehen. Ich war gleich wieder auf den Beinen, mir ging es gut. Bloß alle Umstehenden glauben in Hysterie ausbrechen und für mich kämpfen zu müssen. Ein Riesengeschrei, bis mich endlich ein Polizist beiseite nimmt und ich ihm klarmachen kann, dass ich erwachsen bin, es mir gut geht und ich nicht ins Krankenhaus will. Ich mache mit dem Fahrer aus, dass er mir Geld für eine Salbe gibt, außerdem seine Nummer, für den Fall. Ich will bloß, dass der Tumult ein Ende hat, der Fahrer war Schuld, das hat die Polizei dann mit den engagierten Zeugen geregelt. Wir haben uns mit dem Geld erstmal an eine Bar gesetzt und ein Bier auf den Schreck getrunken. Für meine Begleiterinnen war es wohl schlimmer als für mich. Und doch kamen danach Tipps wie "du hättest länger am Boden liegen bleiben und weinen sollen, dann hättest du sicher mehr bekommen…" Ich hoffe mal, das war nicht ernst gemeint… Als dann mit dem Steigen des Alkoholkonsums Raufereien rund um uns anfingen, bestand ich dann doch darauf, diesen Tag am Strand zu beenden.


18.02. - 22.02.03

Martins:

Diese Tage verbringe ich in Martins, dem am höchsten gelegenen Ort des Bundesstaates. Es ist ein kleiner, ganz ruhiger Ort, eingebettet in eine wunderbare Landschaft aus kleinen Bergen, Wasserfällen und Steinhöhlen, dazwischen endlose Weiten. Ich kann mit dem Mototaxi alle interessanten Punkte erreichen und genieße die Natur, das Grün und die Ruhe. Das ist es, was in Mãe Luiza schwer zu finden ist.

 

 

 

 

Casa de perda -
Steinhaus mit Eingang in der Mitte


25.02.03
Ich habe die Ehre den zukünftigen Bischof der Erzdiözese am Abend zu treffen. Es ist gleichzeitig ein schon altbekannter, Dom Jaime aus Caicó. Er war letztes Jahr zusammen mit Sabino im Pfaffenwinkel und hat unter anderem die Penzberger Firmlinge gefirmt. Es freut mich, dass er nun schon Ende des Jahres nach Natal kommt. Mittags gab es italienische Spaghetti mit Tomatensoße. In der Zeit, die ich in Mãe Luiza war, besuchte eine Freundin von Sabino das Viertel. Sie heißt Rita und obwohl sie kaum ein Wort Portugiesisch sprach, hat doch jeder sie verstanden. Ich hab sie meistens in der Früh (zwischen sechs und sieben Uhr) am Strand getroffen. Jedenfalls hat sie im Altersheim Spaghetti gekocht…sie konnte jedoch die Geladenen nicht davon überzeugen, dass man in Italien kein Hühnchen, keine Bohnen, kein Farofa und keinen Reis unter die Spaghetti mischt. Sie haben es doch getan und schon war es wieder ein typisch brasilianisch zusammengestellter Teller.

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